Französisch in der 6. Klasse

An der Orientierungsstufe in München können die Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen Französisch lernen. Im Interview mit der Gymnasiallehrerin Gesa Reither erfahren Sie, was den Französisch-Unterricht an der ORI so besonders macht.

Welche Kinder nehmen Französisch?
Zu uns kommen die Schülerinnen und Schüler mit gymnasialer Eignung, die in der 7. Klasse aufs Gymnasium wechseln wollen. Dafür brauchen sie zusätzlich zu Englisch eine zweite Fremdsprache – an der ORI ist es Französisch.

Was ist das Besondere an den Französisch-Klassen?
In der ORI haben wir jedes Jahr zehn 6. Klassen. Bei uns im Französisch-Unterricht herrscht eine angenehme Stimmung, weil sich drei bis vier Kinder aus jeder Klasse für Französisch entscheiden. Die Lerngruppen sind also bunt gemischt, und trotzdem kennen sich die Kinder schon seit einem Jahr.

Wie viele Stunden haben die Kinder Französisch?
Laut Lehrplan sind es 4 Schulstunden pro Woche. Das Besondere an der ORI ist, dass wir zusätzlich eine Förderstunde Französisch anbieten. Das gibt es an den meisten Gymnasien nicht.

Welche Methoden bieten Sie zum Französisch-Lernen an?
Wir führen die Kinder spielerisch und kreativ an die Fremdsprache heran. Zum Lernen der Vokabeln zeigen wir ihnen beispielsweise mehrere Methoden: Karteikarten schreiben, Lernen aus dem Heft oder Buch, Üben mit Apps, Anschauen von ausgewählten YouTube Videos und das Singen von Liedern.
Ganz gleich ob die Kinder im Halbtag oder im Ganztag sind: Die Vokabeln lernen sie zu Hause, weil wir sie regelmäßig abfragen und die Ergebnisse benoten.
Was wir bemerken: Die Kinder übertragen diese Lernmethoden auch auf andere Fächer, sodass es ihnen zum Beispiel leichter fällt, die Strukturen des Französischen auch auf die Grammatik im Englischen zu übertragen.

An der ORI lernen Kinder aus verschiedenen Kulturen. Welche Vor- und Nachteile hat es, wenn sie neben ihrer Muttersprache, Deutsch und Englisch auch noch Französisch hinzunehmen?
Wenn in einer Lerngruppe Kinder aus 4 oder 5 Kulturen zusammenkommen, reflektieren alle beim Französischlernen so ganz nebenbei auch ihre Muttersprache. Der Aha-Effekt stellt sich gleich zu Beginn ein, wenn sie erfahren, dass es im Französischen zwei bestimmte Artikel gibt, im Englischen nur einen und im Deutschen sogar drei. So lernen die Kinder den Aufbau von Sprachen aus verschiedenen Blickwinkeln kennen.
Bei einigen Schülerinnen und Schülern ist Französisch die vierte Sprache. Manchmal führt das zu einem kleinen Chaos im Kopf.

Was hilft dann?
Optimal wäre es, in den Ferien ein oder zwei Wochen in einem französisch sprechenden Land zu verbringen. Wenn Eltern Kontakte zu Franzosen hier in München aufbauen möchten, unterstützen wir sie gern dabei.

Was passiert, wenn ein Kind mit Französisch doch nicht so gut zurecht kommt?
Dann kann es das Fach Französisch zum Halbjahreswechsel wieder abwählen.

Nach der 6. Klasse gehen die Schülerinnen und Schüler aufs Gymnasium. Wie kommen die ORI-Kinder dort mit dem Unterrichtsstoff in Französisch zurecht?
Nach einem Jahr haben sie das grundlegende Wissen erarbeitet, um dann nahtlos in die 7. Klasse des Gymnasiums zu wechseln. Wenn sie an der ORI ein Jahr lang diszipliniert und fleißig im Französisch-Unterricht mitarbeiten, kommen sie in der nächsten Schule auch gut mit.

Warum tut es Ihrer Meinung nach den Kindern gut, Französisch an der ORI zu lernen?
Mit Französisch erweitern Schülerinnen und Schüler ihren sprachlichen Horizont. Ich wünsche mir, dass Eltern ihren Kindern diese Chance eröffnen, damit sie später im beruflichen Leben mehrere Möglichkeiten haben.